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Fallarten · Eigenbedarf

Die fehleranfälligste Kündigung im Mietrecht.Die meisten Eigenbedarfskündigungen haben einen Fehler. Er ist schon markiert, bevor Sie die Akte öffnen.

Der Mandant kommt mit einem Brief und drei Monaten Restfrist. Die Frage ist nie „darf der das", sondern „hat er es richtig gemacht" — und das entscheidet sich an sieben Punkten, die jemand einzeln durchgehen muss. Bei Ihnen ist das schon passiert: Sie öffnen die Akte zum ersten Mal, und die Kommentare stehen neben den Stellen, auf die sie sich beziehen. Das ist geschehen, bevor Sie die Akte zum ersten Mal öffnen — geprüft gegen 248 Entscheidungen zu den einschlägigen Normen, mit Fundstellen und fertigem Entwurf. Sie lesen, Sie geben frei.

Aktenzeichen-Kürzel EB
Rechtsgrundlage § 573 Abs. 2 Nr. 2 BGB · § 574 BGB
Status produktiv
Was Mila prüft

Sieben Punkte, jeder einzeln belegt.

Eine Eigenbedarfskündigung ist selten ganz falsch und selten ganz richtig. Sie hat eine schwache Stelle — und die zu finden ist Fleißarbeit, keine Kunst. Genau deshalb macht sie Mila.

01
Der Benötigungsgrund§ 573 Abs. 2 Nr. 2 BGB
Geprüft wird, ob die Kündigung eine konkrete Person benennt und einen nachvollziehbaren Nutzungswunsch schildert. Der typische Fehler ist die Formel: „für meine Tochter" ohne Angabe, warum gerade diese Wohnung, ab wann und mit welchem Bedarf. Angewiesenheit muss der Vermieter nicht darlegen — ein ernsthafter, auf vernünftige Gründe gestützter Nutzungswunsch genügt. Fehlt die Konkretisierung, ist die Kündigung unwirksam und kann nicht nachgebessert werden; der Vermieter muss neu kündigen, mit neuer Frist.
02
Der begünstigte Personenkreis§ 573 Abs. 2 Nr. 2 BGB
Geprüft wird, wie nah die benannte Person dem Vermieter steht. Kinder, Eltern und Geschwister sind ohne Weiteres privilegiert; bei Nichten, Neffen und Schwägerschaft wird es begründungsbedürftig, bei entfernteren Verhältnissen regelmäßig eng. Der typische Fehler ist, die Nähe als selbstverständlich zu behandeln, statt sie darzulegen. Trägt der Personenkreis nicht, fällt die Kündigung unabhängig davon, wie ernsthaft der Bedarf ist.
03
AnbietpflichtNebenpflicht aus dem Mietverhältnis
Geprüft wird der Leerstand im selben Haus während der Kündigungsfrist. Stand eine vergleichbare Wohnung leer, muss der Vermieter sie angeboten haben — unaufgefordert und konkret, nicht als allgemeiner Hinweis. Der typische Fehler ist ein Angebot, das nie dokumentiert wurde, oder eines, das erst nach Ablauf kam. Mila fragt den Leerstand ab und hält fest, was wann angeboten wurde. Es ist der Punkt, an dem viele Eigenbedarfskündigungen kippen, weil er sich nachträglich kaum heilen lässt.
04
Kündigungssperrfrist nach Umwandlung§ 577a BGB
Geprüft wird, ob die Wohnung nach Beginn des Mietverhältnisses in Wohnungseigentum umgewandelt und danach veräußert wurde. Dann greift eine Sperrfrist von drei Jahren, in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt per Landesverordnung bis zu zehn. Der typische Fehler ist die Annahme, eine Übertragung im Familienkreis sei keine Veräußerung — auch die Einbringung in eine Familien-GbR unterliegt der Sperrfrist. Läuft sie noch, ist die Kündigung unwirksam, gleich wie gut der Eigenbedarf begründet ist.
05
Form und Frist§ 573c BGB · § 568 BGB
Geprüft werden Schriftform, richtiger Adressat, Benennung aller Mieter und die Kündigungsfrist nach Wohndauer — drei, sechs oder neun Monate. Der typische Fehler ist ein zu früh angesetztes Beendigungsdatum, weil die Wohndauer falsch gerechnet wurde, oder ein fehlender Mieter im Adressfeld. Mila rechnet das Beendigungsdatum aus dem Mietbeginn selbst aus, statt das behauptete zu übernehmen — und verschiebt damit auch die Widerspruchsfrist, die daran hängt.
06
Härtefall und Widerspruch§ 574 BGB · § 574b BGB
Geprüft wird, ob Härtegründe vorliegen und belegt sind: Alter, Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Schwangerschaft, lange Verwurzelung, fehlender Ersatzwohnraum trotz nachweisbarer Suche. Der typische Fehler ist der Vortrag ohne Nachweis — und die Annahme, ein fachärztliches Attest sei zwingend. Ist es nicht. Der Widerspruch ist eine eigene, fristgebundene Erklärung; wer nur die Wirksamkeit bestreitet, hat den Härtefall nicht geltend gemacht.
07
Vorgeschobener EigenbedarfIndizien aus der Akte
Geprüft wird, was gegen die behauptete Nutzungsabsicht spricht: eine Verkaufsanzeige derselben Wohnung, frühere erfolglose Kündigungsversuche mit anderer Begründung, ein auffällig kurz zurückliegender Erwerb. Der typische Fehler auf Mieterseite ist, den Verdacht zu äußern, ohne ihn zu belegen. Mila trägt die Indizien aus der Akte zusammen, damit sie im Schriftsatz stehen und nicht in der Erinnerung — und weil sie später den Schadensersatzanspruch tragen, wenn der Bedarf nie eintritt.
Die Akte beim ersten Öffnen

So sieht die Kündigung aus, wenn Sie sie zum ersten Mal aufmachen.

Kein Bericht über das Schreiben, sondern das Schreiben selbst — mit Anmerkungen an den Stellen, auf die sie sich beziehen. Sie haben nichts angestoßen und auf nichts gewartet; das war schon so, als die Akte aufging.

Kündigung vom 14.03.2026 · Eigenbedarfgeprüft bei Eingang · EB-2026-0147

Sehr geehrte Frau Rutkowski, hiermit kündigen wir das mit Ihnen bestehende Mietverhältnis über die Wohnung Kastanienallee 7, 2. OG links, ordentlich zum 30.06.2026.

Die Kündigung erfolgt wegen Eigenbedarfs. Unsere Mandantin benötigt die Wohnung für ihre Tochter, die nach Abschluss ihres Studiums nach Berlin zurückkehrt und dort eine Anstellung antritt.

Das Eigentum an der Wohnung wurde im Jahr 2023 im Wege der Einbringung auf die Kastanienallee 7 GbR übertragen, deren Gesellschafter ausschließlich Familienmitglieder sind.

Vergleichbarer Wohnraum im Objekt steht nicht zur Verfügung. Wir weisen darauf hin, dass ein Widerspruch nach § 574 BGB gegen diese Kündigung möglich ist.

Beendigungsdatum falsch berechnet
Mietbeginn 01.09.2009 — bei über acht Jahren Wohndauer beträgt die Frist neun Monate. Frühestes Ende: 31.12.2026. Damit verschiebt sich auch die Widerspruchsfrist auf den 31.10.2026.
Benötigungsgrund trägt
Konkrete Person, nachvollziehbarer Anlass, Zeitpunkt erkennbar. Angewiesenheit muss die Vermieterin nicht darlegen — ein ernsthafter, auf vernünftige Gründe gestützter Nutzungswunsch genügt (BGH VIII ZR 289/23).
Kündigungssperrfrist läuft noch
Auch die Einbringung in eine Familien-GbR ist eine Veräußerung im Sinne von § 577a Abs. 1 BGB (BGH VIII ZR 247/24). Nach Umwandlung und Veräußerung greift die Sperrfrist — in Berlin zehn Jahre. Die Kündigung ist unabhängig vom Eigenbedarf unwirksam.
Anbietpflicht — Leerstand zu klären
Die Behauptung ist pauschal. In der Akte liegt ein Aushang vom 02.04.2026 zur Wohnung im 4. OG desselben Hauses. Ob sie vergleichbar und wann sie frei war, ist zu erfragen — hier kippen Eigenbedarfskündigungen regelmäßig.
Widerspruch entworfen · Frist 31.10.2026 eingetragen · 1 Rückfrage offenPrüfen und freigeben →
Die Rechnung

Der Unterschied ist nicht die Dauer. Es ist, wer wartet.

Nicht das Ergebnis ändert sich, sondern die Reihenfolge. Die Fleißarbeit passiert, bevor Sie den Fall zum ersten Mal ansehen — die juristische Verantwortung bleibt, wo sie hingehört.

Ohne Mila
Ein halber Tag
Erst wenn Sie sich hinsetzen, beginnt die Prüfung: sieben Punkte einzeln durchgehen, Rechtsprechung nachschlagen, Härtegründe sammeln, Widerspruch formulieren.
Mit Mila
Schon erledigt
Wenn Sie sich hinsetzen, ist die Prüfung gelaufen. Bleiben acht Minuten: Befund lesen, zwei Punkte korrigieren, freigeben.

Eine Eigenbedarfsakte, die einen halben Tag kostet, nimmt man nur an, wenn der Streitwert stimmt. Eine, die schon geprüft ist, wenn man sie aufmacht, nimmt man an, weil der Mandant fragt.

Rechtsprechung

Die Rechtsprechung, gegen die geprüft wird.

Jede dieser Entscheidungen steht im Corpus, im Volltext, mit Datum und Fundstelle.

BGH VIII ZR 289/23 · 24.09.2025
Das Merkmal des Benötigens erfordert nicht, dass der Vermieter auf die Nutzung angewiesen ist, sondern nur einen ernsthaften, auf vernünftige Gründe gestützten Nutzungswunsch."
✓ im Corpus, im Volltext
BGH VIII ZR 270/22 · 16.04.2025
Ein hinreichend substantiierter Sachvortrag zu gesundheitlichen Härten nach § 574 Abs. 1 Satz 1 BGB setzt nicht zwingend ein fachärztliches Attest voraus."
✓ im Corpus, im Volltext
BGH VIII ZR 262/24 · 26.08.2025
Die Härteprüfung nach § 574 Abs. 1 Satz 1 BGB darf sich nicht auf unvollständiger Grundlage vollziehen — sonst ist das rechtliche Gehör verletzt."
✓ im Corpus, im Volltext
BGH VIII ZR 247/24 · 21.01.2026
Die Einbringung eines vermieteten Grundstücks in eine aus Familienmitgliedern bestehende GbR ist eine Veräußerung im Sinne von § 577a Abs. 1 BGB und unterliegt der Kündigungssperrfrist."
✓ im Corpus, im Volltext
BGH VIII ZR 161/24 · 06.08.2025
Die Sperrfrist nach § 577a Abs. 1, 2 BGB beginnt mit der ersten Veräußerung des Wohnungseigentums nach dessen Umwandlung; landesrechtlich kann sie zehn Jahre betragen."
✓ im Corpus, im Volltext
BGH VIII ZR 237/25 · 23.06.2026
Bereits der Eigennutzungswunsch ist bei der Würdigung vollständig zu berücksichtigen; eine unvollständige Wiedergabe der ständigen Rechtsprechung zum Eigenbedarf trägt die Entscheidung nicht."
✓ im Corpus, im Volltext
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Fristen

Vier Daten. Im Brief steht eines, und das ist das falsche.

Eine Eigenbedarfskündigung ist vor allem eine Rechenaufgabe. Das Beendigungsdatum behauptet der Vermieter; die drei Fristen, an denen die Kündigung tatsächlich hängt, muss jemand aus dem Mietvertrag und dem Grundbuch herleiten.

Tag 0
Zugang, nicht Briefdatum
Alle Fristen laufen ab Zugang. Zwischen Datum im Briefkopf und tatsächlichem Zugang liegen regelmäßig Tage — bei Einwurf am Wochenende auch mehr. Mila hält fest, was der Mandant zum Zugang sagen kann, und markiert die Stelle, wenn sich das nicht klären lässt.
3 · 6 · 9 Monate
Kündigungsfrist nach Wohndauer
Die Frist des § 573c Abs. 1 BGB steigt mit der Wohndauer: bis fünf Jahre drei Monate, bis acht Jahre sechs, danach neun. Mila rechnet sie aus dem Mietbeginn aus, statt das Datum im Schreiben zu übernehmen — der häufigste Rechenfehler auf Vermieterseite, und er verschiebt alles Weitere.
2 Monate vorher
Widerspruch nach § 574b Abs. 2 BGB
Der Härtefallwiderspruch muss spätestens zwei Monate vor dem Beendigungstermin vorliegen, schriftlich und begründet. Wer nur die Wirksamkeit der Kündigung bestreitet, hat den Härtefall nicht geltend gemacht. Weil die Frist am Beendigungsdatum hängt, verschiebt ein falsch gerechnetes Ende auch sie.
bis 10 Jahre
Sperrfrist nach § 577a BGB
Wurde die Wohnung nach Überlassung in Eigentum umgewandelt und danach veräußert, ist eine Eigenbedarfskündigung für drei Jahre gesperrt — in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt per Landesverordnung bis zu zehn. Läuft sie noch, ist die Kündigung unwirksam, gleich wie gut der Bedarf begründet ist.
Zwei Flächen, ein Fall

Zwei Flächen, ein Fall.

Der Mandant sieht nicht Ihren Befund. Er sieht, dass etwas passiert ist und was er als Nächstes tun soll — die juristische Bewertung bleibt in der Kanzlei.

Was in der Akte steht
Kündigung mit vier Anmerkungen an den Fundstellen
Sperrfrist § 577a offen — Grundbuchauszug angefordert
Beendigungsdatum neu gerechnet: 31.12.2026 statt 30.06.2026
Entwurf des Widerspruchs, Härtegründe eingesetzt
Rückfrage an den Mandanten: Aushang 4. OG
Was der Mandant sieht
Ihre Kündigung wird geprüft.
Eine Frage: Hing im Haus ein Aushang zu einer freien Wohnung?
Bitte laden Sie Ihren Mietvertrag hoch.
Nächster Schritt: Ihre Anwältin meldet sich.

Was Mila beim Eigenbedarf ausdrücklich nicht tut.

Die Fehlerliste ist Fleißarbeit und lässt sich automatisieren. Die Abwägung ist es nicht — und wird deshalb auch nicht simuliert.

Die Härteabwägung nach § 574 BGB. Ob Alter, Krankheit und Verwurzelung im konkreten Fall gegen das Erlangungsinteresse durchdringen, ist eine Wertung. Mila trägt die Gründe zusammen und belegt sie; gewichtet wird in der Kanzlei.
Die Prognose, ob ein Gericht den Eigenbedarf für vorgeschoben hält. Mila sammelt die Indizien aus der Akte — Verkaufsanzeige, frühere Kündigungsversuche, kurz zurückliegender Erwerb — und stellt sie nebeneinander. Den Schluss zieht die Anwältin.
Die Entscheidung, ob widersprochen, verhandelt oder eine Räumungsfrist ausgehandelt wird. Das ist Mandatsstrategie und hängt an Dingen, die nicht in der Akte stehen.
Nichts verlässt die Kanzlei ohne Freigabe. Der Widerspruch liegt als Entwurf vor, nicht als abgesandtes Schreiben.
Häufige Fragen

Die vier Sätze, die im Erstgespräch fallen.

Jede Antwort steht auf einer Norm oder einer Entscheidung, die weiter oben auf dieser Seite belegt ist.

Muss der Vermieter darlegen, dass er auf die Wohnung angewiesen ist?
Nein. Das Tatbestandsmerkmal des Benötigens verlangt keine Angewiesenheit — es genügt ein ernsthafter, auf vernünftige und nachvollziehbare Gründe gestützter Nutzungswunsch (BGH VIII ZR 289/23). Angreifbar ist deshalb selten das Motiv, sondern fast immer die Begründung im Schreiben.
Zählt eine Übertragung innerhalb der Familie als Veräußerung?
Ja. Auch die Einbringung eines vermieteten Grundstücks in eine aus Familienmitgliedern bestehende GbR ist eine Veräußerung im Sinne von § 577a Abs. 1 BGB (BGH VIII ZR 247/24). Die Kündigungssperrfrist läuft dann weiter — in Berlin bis zu zehn Jahre.
Braucht der Härtefall ein fachärztliches Attest?
Nicht zwingend. Auch die ausführliche Stellungnahme eines für das Beschwerdebild qualifizierten Behandlers kann den Vortrag tragen; es kommt auf den konkreten Inhalt an (BGH VIII ZR 270/22). Entscheidend ist die Substanz, nicht der Briefkopf.
Für wen darf überhaupt gekündigt werden?
Nur für Personen mit Zeugnisverweigerungsrecht aus persönlichen Gründen — Ehegatten, Verwandte gerader Linie, Geschwister, Nichten und Neffen, Schwägerschaft zweiten Grades. Ein Cousin gehört auch bei enger persönlicher Verbundenheit nicht dazu (BGH VIII ZR 276/23).
248
Entscheidungen zu den Normen, auf denen diese Fallart steht
146
davon vom Bundesgerichtshof
102 von Regionalgerichten
13.05.26
Datum der jüngsten Entscheidung
im Corpus zu diesen Normen
0
erfundene Aktenzeichen
Mila zitiert nur aus dem Corpus

Ein generisches Sprachmodell erfindet Aktenzeichen, die plausibel klingen und nicht existieren. Mila kann das nicht: Was nicht im geprüften Corpus steht, wird nicht zitiert — die Prüfung läuft vor dem Rendern, nicht danach. Corpus ansehen

Die Fehlerliste ist Fleißarbeit. Deshalb macht sie jemand anders.

Sieben Punkte, jeder mit Norm und Fundstelle, jeder einzeln nachprüfbar. Die Abwägung, ob die Härte durchdringt, bleibt bei Ihnen — sie war nie das Problem. Sechzehn weitere Fallarten laufen auf derselben Akte.